Tag 4 – Von Wünschen, Werten und schönen Katastrophen

Das war er nun – so ein Tag, an dem nichts so läuft, wie ich es mir vorgestellt habe. Das Sommerfest fällt im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Es regnet unablässig und ist mit rund 15 Grad Celsius zu kalt für den Sommer. Dafür rede ich einmal mehr viel mit meiner Familie.

Meine Internetseite fliegt auseinander – na gut, ich habe auch ein wenig daran herum gespielt. Das führt dazu, dass ich noch ein wenig mehr daran herumspielen muss. Rund vier Stunden um genau zu sein. Aber es ist eine Sache, mit der ich mich gern beschäftige, bei der ich allein für mich rumbröseln kann und in mir ruhe.

Zum Ausgleich will ich laufen. Warum der Konjunktiv? Kurz vor der drei Kilometer-Marke verkrampft meine rechte Wade. Also spaziere ich bis zum Wendepunkt und die ganze Strecke wieder humpelnd zurück. Dabei telefoniere ich mit einem guten Freund, mit dem ich seit fast zwei Jahren keinen Kontakt mehr hatte. Das Gespräch dauert anderthalb Stunden. Wir reden über Wünsche und Hoffnungen, berichten dem jeweils anderen von unserem Leben. Mal wieder sind wir Brüder im Geiste – die Themen reichen von Bienen und Demeter, über Kunst und Leidenschaften bis hin zu Lebenskonzepten, Rudolph Steiner und einigen anthroposophischen Ansichten über das Leben. Diese thematischen Parforce-Ritte kennt ein Mensch an meiner Seite nur zu genau und weiß, wie sehr sie meinen Geist anregen und damit mich immer wieder ein Stück näher zu mir selbst bringen. Sie füttern den kleinen Philosophen in mir.

Als ich am Abend dann mein Weblog mit all den Erlebnissen und Erkenntnissen dieses eher unerwarteten Tages füttern möchte, streikt auf einmal der Server. Wartungsarbeiten, so heißt es werden gerade durchgeführt. Also wickle ich mich in meine Decke und gehe das erste Mal seit ich hier bin „schon“ um Mitternacht schlafen.

Das Motto ist Werte und Wünsche

Die Richtungsweisung des Tages habe ich einmal mehr früh im Bett entwickelt. Mein Coach hatte mir einige Hausaufgaben zu diesem Thema aufgegeben und nachdem ich mir Strukturen geschaffen habe, will ich nun meine Arbeit mit mir selbst intensivieren. Zu erst steht da eine Liste, in die ich 20 Dinge eintragen soll, die mir Spaß machen. Es geht dabei nicht um große Wünsche, sondern um all die Dinge des Lebens, die es für mich lebenswert machen. Fußball spielen mit Freunden, Zeit mit Lissy, Kuscheln, Frühstücken und Gartenprojekte umsetzen – ich habe die Liste leicht gefüllt. Dann gilt es, zu überlegen, wann ich sie das letzte Mal erlebt habe, kostet es etwas und wen brauche ich für diese Dinge oder erlebe ich sie allein für mich und last but not least sind sie meist geplant oder doch eher spontan.
Das Ergebnis in der Zusammenfassung: Für viele der Dinge benötige ich kein Geld, vieles habe ich in der letzten Zeit ausleben können, das meiste ist spontan oder eine Mischung aus geplant und spontan. Das einzige, was mir nachgerade auffällt ist, dass die meisten Dinge, die mir Spaß machen nur mit anderen Menschen funktionieren. Es gibt genau drei Dinge, bei denen ich mal allein für mich bin und zwei Beschäftigungen, die allein zwar auch Spaß machen, aber zusammen eben noch mehr – das sind die Gartenprojekte und Sport.
Und auch wenn ich weiß, dass es kein richtig oder falsch gibt, frage ich mich, was mein Coach sagen wird. Aber das finde ich am Dienstag im Gespräch sicher raus.

Die zweite Aufgabe heißt „Meine 4 Zukünfte“. Hier soll ich Kausalverknüpfungen gegenüber stellen und mir dann Gedanken darüber machen, wie eine Zukunft aussieht, wenn diese Ereignisse so stattfinden.
Das Ergebnis daraus ist für mich schwer zu deuten. Rein rational komme ich auf eine alte Weisheit der Finanzmärkte. Einem möglichen riesigen Gewinn steht ein ebenso riesiger Verlust gegenüber. Im zweiten Fall ist das Risiko für mein Leben deutlich geringer, aber der mögliche Gewinn ist eben auch deutlich kleiner. Als Rationalist würde man sich sicher für letzteren Fall entscheiden, aber als Mensch und Optimist – vielleicht auch nur als Träumer – vergleicht man beide Gewinne und an den Wahrscheinlichkeiten für die Risiken zweifelt man eher. Auch da hoffe ich auf eine Antwort durch den Coach.Die dritte Übung – dabei geht es darum, die eigenen Bedürfnisse kennen zu lernen. Es sind suggestive Szenarien auf den Arbeitsblättern und ich soll mir bewusst darüber werden, welches unterschwellige Bedürfnis ich in dieser Situation habe, dass mein Verhalten lenkt. Es ist die gedankliche Umkehr. Ich glaube, es ist allzu menschlich, Situationen dahingehend zu analysieren, wie ich mich verhalte. Bei der Frage nach dem „Warum“ reflektiere ich immer auf das Verhalten der anderen. Aber nie habe ich mich bisher gefragt, warum ich mich so verhalte, wie ich es tue. Nun weiß ich es. Es entspringt aus einem mir innewohnenden Bedürfnis, über das ich mir nie Gedanken mache.
Das Ergebnis in der Zusammenfassung: Wenig überraschend – immerhin beschäftige ich mich mit mir schon eine ganze Weile – Wertschätzung steht ganz weit oben. Dabei geht es um das Bedürfnis, von anderen für meine Eigenschaften und meine Taten gleichermaßen geschätzt und Wert gehalten zu werden. Ebenso wichtig ist für mich, dass man mich anhört, ich mich mitteilen, meine Meinung äußern kann und ich eigentlich auch immer verstanden werde. Letzteres ist eine Illusion, aber eben auch ein Bedürfnis.
Der nächste Punkt überrascht mich ein wenig. Eines meiner Bedürfnisse ist das nach Frieden, Ausgewogenheit und auch mal nach dem allein sein. Bei näherer Betrachtung ist es doch nicht so überraschend. Auf dem nächsten Platz landen Klarheit, Ehrlichkeit und Integrität als Bedürfnis-Trio.

Das sind offenbar mein wichtigsten Bedürfnisse und viele davon habe ich offenbar nicht immer befriedigt. Aber ich lerne mich ja nun kennen und werde künftig meinen Bedürfnissen mehr Aufmerksamkeit schenken.

Vor allem glaube ich, dass es hilfreich ist, wenn auch die Menschen um dich herum, meine Bedürfnisse kennen. Nur so können sie mich zum einen verstehen und zum anderen auch pfleglicher behandeln – zumindest, wenn ich ihnen wichtig bin. Das gilt auch für eich: Lernt eure Bedürfnisse kennen und redet auch darüber!

Erkenntnisse des Tages gibt es viele. Was scheinbar als Katastrophentag oder zumindest als ungeradliniger Tag daher kam, entpuppte sich bei genauerer Betrachtung gar nicht als solcher. Jede „Katastrophe“ führte zu einer schönen, großartigen, positiven Option. Sich dieser positiven Wendungen in einem zunächst als negativ wahrgenommen Moment bewusst zu werden – auch da hat mir das Aufschreiben sehr geholfen. Aus dem Tagesablauf heraus und nur in Gedanken wäre es mir nicht gelungen. Deshalb mein Rat an euch: Schreibt, schreibt über alles, was euch wichtig erscheint, schreibt über euch selbst vor allem – denn ihr sollt euch wichtig sein!

Was vom Tag noch übrig bleibt

Es bleibt eine schmerzende, immer noch verhärtete Wade. Die werde ich voraussichtlich eingeweicht in warmem Thermalwasser kurieren.

Was bleibt noch? Immer noch die Sehnsucht, zu wissen, was meine Lieblingsmenschen machen. Wie es ihnen geht. Ob und wie ich Teil ihrer Gedanken bin.

Diese Woche stehen am Dienstag und Mittwoch zwei Coaching-Termine auf dem Plan, eine Verabredung zum Brunch am Freitag und der Rest der Zeit gehört der Arbeit und der Suche danach.
Übrigens hänge ich aufgrund der technischen Probleme auch mit der Suche nach einem Tagesmotto hinterher. Aber das liefere ich auf jeden Fall noch nach.

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