Tag 5 – Zeit für einen Nachruf und eine Grabrede

Heute möchte ich diesen Beitrag auch einer guten Freundin widmen. Sie ist letzte Woche Donnerstag verstorben, die Beerdigung wird am 7. Juli sein. Irgendwie passt es zu diesem Jahr. Meine letzten Worte als Abschied an Petra via WhatsApp werden nun zu meinem Nachruf auf sie: „Es tut mir unendlich weh, dass du gehen musst. Du warst ein großartiger Mensch. Vielen Dank für dein immer offenes Ohr, dafür, dass wir immer offen und ehrlich unsere Gedanken teilen konnten. Danke für deine warmherzige, sehr mütterliche Art mir gegenüber. Danke dafür, dass wir gemeinsam gelacht haben. Danke, dass du mir gelegentlich den Kopf zurecht gerückt hast. Danke dafür, dass du zusammen mit Sandra damals zu meinem Geburtstag hinter meinem Rücken den Tag bei unserem gemeinsamen Arbeitgeber freigeschaufelt hast. Danke, dass du eine echte Freundin warst.“ Ich werde dich vermissen Petra.

Damit kommen wir zu meiner aktuellen Aufgabe, an der ich gerade arbeite – an meiner eigenen Grabrede. Es ist eine Idee und ein Konzept, dass aus dem gestrigen Gespräch mit Thomas entstanden ist. Er hat schon öfter eine Grabrede für sich geschrieben, wenn er glaubte, seine Ziele aus dem Auge verloren zu haben. Es ist die Idee, dass man mit einem Rückblick auf sein Leben viel besser beurteilen kann, was wirklich zählt und wer man sein möchte.

Was würde ich am Grab über mich selbst sagen? Was macht mich als Mensch aus? Hier kommt mein erster Entwurf für meine Grabrede.

Lieber Tizian

du warst Zeit deines Lebens ein Mensch mit hoch fliegenden Träumen. Als Träumer belächelt, manchmal als Spinner verschrien. Du hattest viele Träume und manchmal sogar den Mut und die Energie, sie umzusetzen. Einer dieser Träume hat dich zu einem Vater werden lassen. Ein anderer zu einem Ehemann. Viele deiner Träume hast du allerdings nie Wirklichkeit werden lassen. Ich wünschte mir, dass du manchmal etwas realistischer und manchmal nur ein wenig mutiger gewesen wärst. Dann hättest du Großes erreichen können.

Für deine Tochter warst du immer der beste Vater, den sie sich nur wünschen konnte. Keine Aufgabe, kein Weg, nichts war zu viel oder zu schwer. Du warst immer an ihrer Seite, auch wenn du mal nicht da warst. Als Ehemann warst du leider nicht immer so gut. Ich hätte mir gewünscht, du hättest mehr auf euch Acht gegeben, wärst umsichtiger und liebevoller gewesen. Aber manchmal ist das Leben so und du wusstest, dass das Leben selten gerade Wege kennt. Aber du hast aus deinen Fehlern gelernt. Du hattest die große Gabe, dich selbst fair einzuschätzen. Du kanntest deine Schwächen – manchmal sogar besser als deine Stärken. Und du wurdest dadurch auch zu einem besseren Partner.

Auch beruflich hast du lange Zeit eher auf Irrwegen zugebracht. Bis zu dem Tag, als du dir endlich eine neue Perspektive verschaffen konntest. Mit welcher Freude du von dem Zeitpunkt an Kindern Wissen vermittelt hast, war bezeichnend für dein restliches Leben. Du hattest endlich eine lohnende Aufgabe gefunden, etwas für dich Sinn stiftendes. Genau das war es, was dir zuvor all die Jahre gefehlt hatte. Du wurdest von „deinen“ Kindern geliebt, vielen hast du einen unstillbaren Hunger auf Wissen mit auf ihren Lebensweg gegeben. Und trotz all deiner Hingabe für deine Schüler, blieb immer noch Zeit auch auf deinem bisherigen Gebiet immer wieder Herzensprojekte zu realisieren. Deine Freunde haben dich oft gefragt, wie du trotz allem als Partner, als Vater und als Freund noch so viel Zeit für die Menschen aufbringen konntest, die dir wichtig waren. Und das waren viele und es wurden mit den Jahren eher mehr als weniger. Denn du hattest eine tolle Art, Menschen vorurteilsfrei zu begegnen, offene Gespräche zu führen und Fremde zu Freunden werden zu lassen.

Du hattest immer eine beneidenswert positive Einstellung zum Leben, selbst in den Momenten, wenn das Leben kompliziert und sehr traurig war. Du hast Mut bewiesen und Mut gemacht. Die Menschen um dich herum, haben dich auch für deinen Rückhalt sehr wert geschätzt. Du konntest mit jedem lachen, ernste und tiefe Gespräche führen und hast jedem das Gefühl gegeben, ein geliebter und wertvoller Mensch zu sein. Das ist dir gelungen, weil du es in deinem Inneren genauso gefühlt hast. Und dafür haben dich andere geliebt.
Du hattest immer einen unstillbaren Hunger auf das Leben. Dir waren Berührungen, Küsse und Nähe immer wichtig. Du hast sie gern gegeben, aber genauso gern empfangen.

Dir waren Menschen immer wichtig. Oft traf man bei dir daheim Freunde und die Familie an. Immer war Leben im Haus. Aber es gab da auch die ruhigen Momente. Momente, in denen du nur für dich da warst. Du hast eine beneidenswerte Balance zwischen Gemeinsamkeit und Einsamkeit geschaffen. Du hast auf dich Acht gegeben und gleichzeitig auf andere. Dein Mitgefühl für andere Menschen und dein Mitgefühl und Verständnis für dich selbst haben dich zu einem in sich selbst ruhenden und starken Menschen gemacht.

Eine der besten Eigenschaften die du dein eigenen nennen konntest, war die Fähigkeit, all deine Gedanken in Worte zu kleiden. Du warst rede gewandt, hast mit Worten andere Menschen berühren können und hast dank deiner offenen Art über deine Empfindungen sprechen können. Genau deshalb haben sich viele Menschen bei dir wohl gefühlt und einige dich dafür sogar aufrichtig geliebt. Es war immer eine Freude dich mit Worten spielen zu sehen. Diese Fähigkeit hast du auch an deine Tochter weitergegeben. Und trotz deiner Lust am eigenen Reden warst du auch ein toller Zuhörer. Du hast jedem die Möglichkeit gegeben, seine Stimme zu hören, seine Meinung mitzuteilen und ebenso offen über seine Gefühle zu sprechen. Dir waren Menschen nur dann ein Graus, wenn sie diese Fähigkeit nicht hatten. Aber selbst dann hast du sie geachtet und ihnen immer wieder die Möglichkeit gegeben, sich doch noch zu öffnen. Und bei vielen der hartnäckigen Fälle ist es dir über die Zeit auch gelungen.

Du bist für uns als Mensch trotz oder gerade auch wegen all deiner Schwächen ein echter Freund geworden und gewesen. Du warst ein Menschenfreund, du warst ein Mensch, du wirst uns fehlen.

Was vom Tage noch übrig bleibt

Gerade hat mein Coach angerufen. Sie wurde von einem Auto von ihrem Fahrrad gestoßen und nach aktueller Lage, wird sie morgen nicht fit sein. Ich hoffe, es ist nichts schlimmeres passiert.

Am Freitag treffe ich mich nun noch zusätzlich mit Sarina am Nachmittag, um den Schlachtplan für die Kommunikation für das Kinder-Musical-Theater Berlin zu entwickeln.

Vom Unternehmen Raisin habe ich eine Einladung zu einem persönlichen Kennenlernen erhalten. Nach einem ersten Interview, einer Arbeitsprobe in Form einer Pressemitteilung kommt nun also die dritte Stufe. Der Termin soll am 5. Juli stattfinden. Ich halte euch auf dem Laufenden. Übrigens bin ich nach Aussage meiner Agentur auch noch bei eBay im Gespräch. Im Moment sind das einige Lichtblicke, aber meinen geplanten Weg werde ich dennoch nicht mehr verlassen.

2 Antworten auf „Tag 5 – Zeit für einen Nachruf und eine Grabrede“

  1. Lieber Tizian,

    ich möchte dir mein herzliches Beileid ausdrücken. Ich weiß welche Bedeutung Petra für dich hatte. War heute morgen selbst zu Tränen gerührt als ich die traurige Nachricht in deinem Blog gelesen habe.
    Ich würde gern für dich da sein, muss diese Aufgabe aber nun anderen überlassen. In Gedanken bin dennoch bei dir.
    Wenn ich aus unserem Fenster schaue, blicke ich auf den von Petra geschenkten Rosenstrauch, der gerade in vollster Blüte steht. So werde ich mich noch viele Jahre an Petra erinnern können.

    Ich wünsche Familie und Freuden ganz viel Kraft den Verlust von Ehefrau, Mutter, Oma und Freundin zu verarbeiten.

    Liebe Grüße
    Sandra

    1. Danke für deine lieben Worte. Ja, es gibt einige Erinnerungen an Petra im Haus. Der Gummiball mit dem Seestern von Nele ist ebenfalls eine.

      Liebe Grüße aus dem Exil

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