Am Mute hängt der Erfolg

Da bin ich nun, zurück gekehrt aus meiner Matratzengruft. Die Welt hat sich weiter gedreht und für mich gilt es nun, meinen Platz in dieser Welt zu finden. Seit langer Zeit taucht das Wort „Zukunft“ wieder regelmäßig in meinen Gedanken auf. In den letzten Tagen war ich sehr nachlässig mit meinem Tagesplan und vor allem das Schreiben habe ich sehr vernachlässigt. Dabei hat es mir durch schwere Momente und bei noch schwereren Entscheidungen geholfen.
Und ich weiß, dass ich auch anderen Mut gegeben habe, ihre Gedanken aufzuschreiben. Schreiben ist der Mühe wert, habe ich einmal auf der Gartenlaube.net geschrieben. Und nun möchte ich ergänzen: Schreiben ist eine Wertschätzung seiner selbst und all derer, die das Geschriebene lesen. Danke für eure Unterstützung, für das Lesen meines Blogs und die Inspiration, die ich durch euer Interesse erhalten habe.

Was vom Tage übrig bleibt

Seit meiner Rückkehr haben zwei weitere Coaching-Termine meinen Fokus weiter schärfen können. Im Herzen liebe ich meine Projekte als Freiberufler und in meinem Kopf hämmert der Wunsch nach der Sicherheit eines Angestellten. Beides zu vereinen, wäre der Königsweg. Über allem schweben zwei unverrückbare Grundwert meines Wesens: Wertschätzung und Sinnhaftigkeit. Sie werden künftig die Messlatte sein, für jede berufliche Entscheidung.

Das Projekt für Ebay kann ich leider nicht realisieren. Hätte es meinen Maßgaben entsprochen? Ich denke schon. Aber die Zukunft ist vorwärts gewandt und ein Stehenbleiben oder Zurücksehen führt mich zu keinem meiner Ziele.
Das Theaterprojekt nimmt nun auch bei mir endlich Fahrt auf und ich freue mich nachgerade darauf, mich dort auszutoben.

Welche Erkenntnis hat mich in dieser Woche noch bewegt? Zum Beispiel diese: Mut steht am Anfang des Handelns und Glück am Ende. Und um meine selbsterfüllenden Prophezeiungen – wie sich mein Coach ausdrückt – zu durchbrechen, hilft einzig und allein Mut und Tun. Oder wie ein Freund einmal mit seinem Leitspruch es auf den Punkt brachte: Gib den Dingen deine Richtung.

Und natürlich gibt es auch wieder einen passenden Song – also irgendwie schon passend. Und hey, mit den Klamotten braucht man auch Mut.

Freunde – Ein anderes Ich; zwei Seelen in einer

Das Gewissen ist die Wunde, die nie heilt und an der keiner stirbt. Aber es plagt uns, macht uns anfällig und wehleidig. Dennoch ist es gut, ein Gewissen sein Eigen zu nennen. Gewissenlose Menschen mögen leichter durch ihr Leben kommen, aber ganz sicher sind sie dabei allein und ohne wahre Freunde.

Meine wichtigste Erkenntnis dieses Tages: Wir sollten nur auf das hören, was uns Menschen sagen und raten, die uns nah stehen und gleichzeitig genügend Abstand für einen offenen Blick haben, die uns mögen und uns um unser Selbst willen schätzen. Nur sie sind wirklich in der Lage, uns fair zu beurteilen. Sie sind die Stütze, die wir im Sturm des Lebens brauchen. Sie sind unsere wahren Freunde.
Wer uns nur im Spannungsfeld mit sich oder anderen beurteilt, wer eigene Interessen an unsere Person knüpft, der urteilt leider nicht allzu gerecht über uns.

Das sicherste Mittel, ein freundschaftliches Verhältnis zu hegen und zu erhalten, finde ich darin, daß man sich wechselweise mitteile, was man tut. Denn die Menschen treffen viel mehr zusammen in dem, was sie tun, als in dem, was sie denken.

Was vom Tage übrig bleibt

Zunächst ist da das Wissen, dass ich wahre Freunde habe. Sie geben mir Kraft und Zuversicht. Und sie geben diese Kraft und Zuversicht sogar an Menschen weiter, die mir wichtig sind.

Was sonst noch? Na – Content ist King. Genau darum ging es im heutigen Gespräch mit den Verantwortlichen von eBay. Das Projekt ist spannend und es gibt mir Raum und Luft, um mich wieder mit dem zu befassen, was neben dem Vermitteln von Wissen eine meiner Leidenschaften ist – kreative Formate und Geschichten zu entwickeln. Noch ist leider nicht alles in Sack und Tüten, aber die Hoffnung lebt. Und wenn sie sich erfüllt, darf ich endlich auch wieder Regie führen.

Ansonsten war ich heute einmal mehr in Potsdam unterwegs. Es gibt eine unverrückbare Bindung zwischen dieser Stadt und mir. Egal ob ich glückliche Momente oder schwere Zeiten erlebe – immer zieht es mich in diese Stadt, wie einst den König selbst. Ohne Sorgen dort zu wandeln – der Name des Schlosses scheint für mich wie ein Versprechen. Ich bin nach langer Zeit endlich wieder in die Bücherfundgrube eingekehrt, habe mich in den zahlreichen Welten verloren und bin mit Wissen beladen wieder aufgetaucht.

Morgen steht der nächste Coaching-Termin – ebenfalls in Potsdam auf dem Programm. Dann wird es darum gehen, meinen Fokus weiter einzuengen und endlich mein Ziel klar zu erkennen. Denn erst wenn ich mein Ziel kenne, kann ich den Weg dorthin suchen.

Übrigens fallen mir jetzt immer öfter Lieder zu meinen Gedanken und Gefühlen ein, die ich an dieser Stelle gern mit euch teile.

1.Juli – Warten und hoffen

Es sind Entscheidungen, die uns zu uns selbst führen. Der Glücksreport 2014 meint dazu: Nimm dich selbst wichtig. Bevor Krisen oder Krankheiten dich dazu zwingen. Die Sorge, ein Egoist zu sein, ist völlig überflüssig. Denn nur wenn es uns selbst gut geht, können wir anderen etwas davon abgeben und uns selbst einbringen. Entscheiden wir nicht für uns, sondern für andere – dann schöpfen wir gleichsam aus leeren Batterien. Denn nur Menschen, denen es gut geht – weil sie sich selbst in den Fokus ihrer Entscheidungen stellen – nur die wenden sich anderen Menschen offen und ehrlich zu. Sie tun es nicht aus Pflichtgefühl, sondern weil sie es wollen.
Es ist eher egoistisch, nicht gut für sich selbst zu sorgen, weil wir dann von anderen die Lieferung unseres Glücks erwarten.

Also bleibt nur eine Erkenntnis: Lebensfroh ist, wer sich für sich entscheiden kann. Und zwar weil er weiß, was ihm persönlich gut tut.
Für mich bedeutet es: Ich habe mich heute dazu entschieden, meinen wüsten Kopf zu lüften, in dem ich die Straße unter meine Füße genommen habe und gelaufen bin. Das Ergebnis: Wieder eine schmerzende Wade, die leider nicht die Trübsal und den Schmerz in mir vergessen macht. Immer noch ein wüster leerer Kopf. Das häuft sich in den letzten Tagen und Wochen. Aber wenn schon soviel Wüste da ist, dann muss es schließlich auch Sonne geben. Die Hoffnung bleibt.

Noch nie habe ich mich hoffnungsloser gefühlt, als nach diesem Tag. Mein Leben – dass ich gerade mit viel Überzeugung in eine neue Richtung gelenkt habe – schlägt einmal mehr Kapriolen. Aller Mut und aller Wille scheinen nichts genützt zu haben. Jetzt blicke ich einem Scheinwerferlicht entgegen und wechsle zwischen Hoffen und Bangen. Wird mich das näher kommenden Licht inklusive Vehikel überrollen oder hält es, ein Lieblingsmensch steigt aus, reicht mir die Hand und sagt: Lass uns den Weg gemeinsam weiter fahren.

Schließlich liegt alle Weisheit in folgenden Worten: Hoffen und warten.

Tag 5 – Zeit für einen Nachruf und eine Grabrede

Heute möchte ich diesen Beitrag auch einer guten Freundin widmen. Sie ist letzte Woche Donnerstag verstorben, die Beerdigung wird am 7. Juli sein. Irgendwie passt es zu diesem Jahr. Meine letzten Worte als Abschied an Petra via WhatsApp werden nun zu meinem Nachruf auf sie: „Es tut mir unendlich weh, dass du gehen musst. Du warst ein großartiger Mensch. Vielen Dank für dein immer offenes Ohr, dafür, dass wir immer offen und ehrlich unsere Gedanken teilen konnten. Danke für deine warmherzige, sehr mütterliche Art mir gegenüber. Danke dafür, dass wir gemeinsam gelacht haben. Danke, dass du mir gelegentlich den Kopf zurecht gerückt hast. Danke dafür, dass du zusammen mit Sandra damals zu meinem Geburtstag hinter meinem Rücken den Tag bei unserem gemeinsamen Arbeitgeber freigeschaufelt hast. Danke, dass du eine echte Freundin warst.“ Ich werde dich vermissen Petra.

Damit kommen wir zu meiner aktuellen Aufgabe, an der ich gerade arbeite – an meiner eigenen Grabrede. Es ist eine Idee und ein Konzept, dass aus dem gestrigen Gespräch mit Thomas entstanden ist. Er hat schon öfter eine Grabrede für sich geschrieben, wenn er glaubte, seine Ziele aus dem Auge verloren zu haben. Es ist die Idee, dass man mit einem Rückblick auf sein Leben viel besser beurteilen kann, was wirklich zählt und wer man sein möchte.

Was würde ich am Grab über mich selbst sagen? Was macht mich als Mensch aus? Hier kommt mein erster Entwurf für meine Grabrede.

Lieber Tizian

du warst Zeit deines Lebens ein Mensch mit hoch fliegenden Träumen. Als Träumer belächelt, manchmal als Spinner verschrien. Du hattest viele Träume und manchmal sogar den Mut und die Energie, sie umzusetzen. Einer dieser Träume hat dich zu einem Vater werden lassen. Ein anderer zu einem Ehemann. Viele deiner Träume hast du allerdings nie Wirklichkeit werden lassen. Ich wünschte mir, dass du manchmal etwas realistischer und manchmal nur ein wenig mutiger gewesen wärst. Dann hättest du Großes erreichen können.

Für deine Tochter warst du immer der beste Vater, den sie sich nur wünschen konnte. Keine Aufgabe, kein Weg, nichts war zu viel oder zu schwer. Du warst immer an ihrer Seite, auch wenn du mal nicht da warst. Als Ehemann warst du leider nicht immer so gut. Ich hätte mir gewünscht, du hättest mehr auf euch Acht gegeben, wärst umsichtiger und liebevoller gewesen. Aber manchmal ist das Leben so und du wusstest, dass das Leben selten gerade Wege kennt. Aber du hast aus deinen Fehlern gelernt. Du hattest die große Gabe, dich selbst fair einzuschätzen. Du kanntest deine Schwächen – manchmal sogar besser als deine Stärken. Und du wurdest dadurch auch zu einem besseren Partner.

Auch beruflich hast du lange Zeit eher auf Irrwegen zugebracht. Bis zu dem Tag, als du dir endlich eine neue Perspektive verschaffen konntest. Mit welcher Freude du von dem Zeitpunkt an Kindern Wissen vermittelt hast, war bezeichnend für dein restliches Leben. Du hattest endlich eine lohnende Aufgabe gefunden, etwas für dich Sinn stiftendes. Genau das war es, was dir zuvor all die Jahre gefehlt hatte. Du wurdest von „deinen“ Kindern geliebt, vielen hast du einen unstillbaren Hunger auf Wissen mit auf ihren Lebensweg gegeben. Und trotz all deiner Hingabe für deine Schüler, blieb immer noch Zeit auch auf deinem bisherigen Gebiet immer wieder Herzensprojekte zu realisieren. Deine Freunde haben dich oft gefragt, wie du trotz allem als Partner, als Vater und als Freund noch so viel Zeit für die Menschen aufbringen konntest, die dir wichtig waren. Und das waren viele und es wurden mit den Jahren eher mehr als weniger. Denn du hattest eine tolle Art, Menschen vorurteilsfrei zu begegnen, offene Gespräche zu führen und Fremde zu Freunden werden zu lassen.

Du hattest immer eine beneidenswert positive Einstellung zum Leben, selbst in den Momenten, wenn das Leben kompliziert und sehr traurig war. Du hast Mut bewiesen und Mut gemacht. Die Menschen um dich herum, haben dich auch für deinen Rückhalt sehr wert geschätzt. Du konntest mit jedem lachen, ernste und tiefe Gespräche führen und hast jedem das Gefühl gegeben, ein geliebter und wertvoller Mensch zu sein. Das ist dir gelungen, weil du es in deinem Inneren genauso gefühlt hast. Und dafür haben dich andere geliebt.
Du hattest immer einen unstillbaren Hunger auf das Leben. Dir waren Berührungen, Küsse und Nähe immer wichtig. Du hast sie gern gegeben, aber genauso gern empfangen.

Dir waren Menschen immer wichtig. Oft traf man bei dir daheim Freunde und die Familie an. Immer war Leben im Haus. Aber es gab da auch die ruhigen Momente. Momente, in denen du nur für dich da warst. Du hast eine beneidenswerte Balance zwischen Gemeinsamkeit und Einsamkeit geschaffen. Du hast auf dich Acht gegeben und gleichzeitig auf andere. Dein Mitgefühl für andere Menschen und dein Mitgefühl und Verständnis für dich selbst haben dich zu einem in sich selbst ruhenden und starken Menschen gemacht.

Eine der besten Eigenschaften die du dein eigenen nennen konntest, war die Fähigkeit, all deine Gedanken in Worte zu kleiden. Du warst rede gewandt, hast mit Worten andere Menschen berühren können und hast dank deiner offenen Art über deine Empfindungen sprechen können. Genau deshalb haben sich viele Menschen bei dir wohl gefühlt und einige dich dafür sogar aufrichtig geliebt. Es war immer eine Freude dich mit Worten spielen zu sehen. Diese Fähigkeit hast du auch an deine Tochter weitergegeben. Und trotz deiner Lust am eigenen Reden warst du auch ein toller Zuhörer. Du hast jedem die Möglichkeit gegeben, seine Stimme zu hören, seine Meinung mitzuteilen und ebenso offen über seine Gefühle zu sprechen. Dir waren Menschen nur dann ein Graus, wenn sie diese Fähigkeit nicht hatten. Aber selbst dann hast du sie geachtet und ihnen immer wieder die Möglichkeit gegeben, sich doch noch zu öffnen. Und bei vielen der hartnäckigen Fälle ist es dir über die Zeit auch gelungen.

Du bist für uns als Mensch trotz oder gerade auch wegen all deiner Schwächen ein echter Freund geworden und gewesen. Du warst ein Menschenfreund, du warst ein Mensch, du wirst uns fehlen.

Was vom Tage noch übrig bleibt

Gerade hat mein Coach angerufen. Sie wurde von einem Auto von ihrem Fahrrad gestoßen und nach aktueller Lage, wird sie morgen nicht fit sein. Ich hoffe, es ist nichts schlimmeres passiert.

Am Freitag treffe ich mich nun noch zusätzlich mit Sarina am Nachmittag, um den Schlachtplan für die Kommunikation für das Kinder-Musical-Theater Berlin zu entwickeln.

Vom Unternehmen Raisin habe ich eine Einladung zu einem persönlichen Kennenlernen erhalten. Nach einem ersten Interview, einer Arbeitsprobe in Form einer Pressemitteilung kommt nun also die dritte Stufe. Der Termin soll am 5. Juli stattfinden. Ich halte euch auf dem Laufenden. Übrigens bin ich nach Aussage meiner Agentur auch noch bei eBay im Gespräch. Im Moment sind das einige Lichtblicke, aber meinen geplanten Weg werde ich dennoch nicht mehr verlassen.

Tag 4 – Von Wünschen, Werten und schönen Katastrophen

Das war er nun – so ein Tag, an dem nichts so läuft, wie ich es mir vorgestellt habe. Das Sommerfest fällt im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Es regnet unablässig und ist mit rund 15 Grad Celsius zu kalt für den Sommer. Dafür rede ich einmal mehr viel mit meiner Familie.

Meine Internetseite fliegt auseinander – na gut, ich habe auch ein wenig daran herum gespielt. Das führt dazu, dass ich noch ein wenig mehr daran herumspielen muss. Rund vier Stunden um genau zu sein. Aber es ist eine Sache, mit der ich mich gern beschäftige, bei der ich allein für mich rumbröseln kann und in mir ruhe.

Zum Ausgleich will ich laufen. Warum der Konjunktiv? Kurz vor der drei Kilometer-Marke verkrampft meine rechte Wade. Also spaziere ich bis zum Wendepunkt und die ganze Strecke wieder humpelnd zurück. Dabei telefoniere ich mit einem guten Freund, mit dem ich seit fast zwei Jahren keinen Kontakt mehr hatte. Das Gespräch dauert anderthalb Stunden. Wir reden über Wünsche und Hoffnungen, berichten dem jeweils anderen von unserem Leben. Mal wieder sind wir Brüder im Geiste – die Themen reichen von Bienen und Demeter, über Kunst und Leidenschaften bis hin zu Lebenskonzepten, Rudolph Steiner und einigen anthroposophischen Ansichten über das Leben. Diese thematischen Parforce-Ritte kennt ein Mensch an meiner Seite nur zu genau und weiß, wie sehr sie meinen Geist anregen und damit mich immer wieder ein Stück näher zu mir selbst bringen. Sie füttern den kleinen Philosophen in mir.

Als ich am Abend dann mein Weblog mit all den Erlebnissen und Erkenntnissen dieses eher unerwarteten Tages füttern möchte, streikt auf einmal der Server. Wartungsarbeiten, so heißt es werden gerade durchgeführt. Also wickle ich mich in meine Decke und gehe das erste Mal seit ich hier bin „schon“ um Mitternacht schlafen.

Das Motto ist Werte und Wünsche

Die Richtungsweisung des Tages habe ich einmal mehr früh im Bett entwickelt. Mein Coach hatte mir einige Hausaufgaben zu diesem Thema aufgegeben und nachdem ich mir Strukturen geschaffen habe, will ich nun meine Arbeit mit mir selbst intensivieren. Zu erst steht da eine Liste, in die ich 20 Dinge eintragen soll, die mir Spaß machen. Es geht dabei nicht um große Wünsche, sondern um all die Dinge des Lebens, die es für mich lebenswert machen. Fußball spielen mit Freunden, Zeit mit Lissy, Kuscheln, Frühstücken und Gartenprojekte umsetzen – ich habe die Liste leicht gefüllt. Dann gilt es, zu überlegen, wann ich sie das letzte Mal erlebt habe, kostet es etwas und wen brauche ich für diese Dinge oder erlebe ich sie allein für mich und last but not least sind sie meist geplant oder doch eher spontan.
Das Ergebnis in der Zusammenfassung: Für viele der Dinge benötige ich kein Geld, vieles habe ich in der letzten Zeit ausleben können, das meiste ist spontan oder eine Mischung aus geplant und spontan. Das einzige, was mir nachgerade auffällt ist, dass die meisten Dinge, die mir Spaß machen nur mit anderen Menschen funktionieren. Es gibt genau drei Dinge, bei denen ich mal allein für mich bin und zwei Beschäftigungen, die allein zwar auch Spaß machen, aber zusammen eben noch mehr – das sind die Gartenprojekte und Sport.
Und auch wenn ich weiß, dass es kein richtig oder falsch gibt, frage ich mich, was mein Coach sagen wird. Aber das finde ich am Dienstag im Gespräch sicher raus.

Die zweite Aufgabe heißt „Meine 4 Zukünfte“. Hier soll ich Kausalverknüpfungen gegenüber stellen und mir dann Gedanken darüber machen, wie eine Zukunft aussieht, wenn diese Ereignisse so stattfinden.
Das Ergebnis daraus ist für mich schwer zu deuten. Rein rational komme ich auf eine alte Weisheit der Finanzmärkte. Einem möglichen riesigen Gewinn steht ein ebenso riesiger Verlust gegenüber. Im zweiten Fall ist das Risiko für mein Leben deutlich geringer, aber der mögliche Gewinn ist eben auch deutlich kleiner. Als Rationalist würde man sich sicher für letzteren Fall entscheiden, aber als Mensch und Optimist – vielleicht auch nur als Träumer – vergleicht man beide Gewinne und an den Wahrscheinlichkeiten für die Risiken zweifelt man eher. Auch da hoffe ich auf eine Antwort durch den Coach.Die dritte Übung – dabei geht es darum, die eigenen Bedürfnisse kennen zu lernen. Es sind suggestive Szenarien auf den Arbeitsblättern und ich soll mir bewusst darüber werden, welches unterschwellige Bedürfnis ich in dieser Situation habe, dass mein Verhalten lenkt. Es ist die gedankliche Umkehr. Ich glaube, es ist allzu menschlich, Situationen dahingehend zu analysieren, wie ich mich verhalte. Bei der Frage nach dem „Warum“ reflektiere ich immer auf das Verhalten der anderen. Aber nie habe ich mich bisher gefragt, warum ich mich so verhalte, wie ich es tue. Nun weiß ich es. Es entspringt aus einem mir innewohnenden Bedürfnis, über das ich mir nie Gedanken mache.
Das Ergebnis in der Zusammenfassung: Wenig überraschend – immerhin beschäftige ich mich mit mir schon eine ganze Weile – Wertschätzung steht ganz weit oben. Dabei geht es um das Bedürfnis, von anderen für meine Eigenschaften und meine Taten gleichermaßen geschätzt und Wert gehalten zu werden. Ebenso wichtig ist für mich, dass man mich anhört, ich mich mitteilen, meine Meinung äußern kann und ich eigentlich auch immer verstanden werde. Letzteres ist eine Illusion, aber eben auch ein Bedürfnis.
Der nächste Punkt überrascht mich ein wenig. Eines meiner Bedürfnisse ist das nach Frieden, Ausgewogenheit und auch mal nach dem allein sein. Bei näherer Betrachtung ist es doch nicht so überraschend. Auf dem nächsten Platz landen Klarheit, Ehrlichkeit und Integrität als Bedürfnis-Trio.

Das sind offenbar mein wichtigsten Bedürfnisse und viele davon habe ich offenbar nicht immer befriedigt. Aber ich lerne mich ja nun kennen und werde künftig meinen Bedürfnissen mehr Aufmerksamkeit schenken.

Vor allem glaube ich, dass es hilfreich ist, wenn auch die Menschen um dich herum, meine Bedürfnisse kennen. Nur so können sie mich zum einen verstehen und zum anderen auch pfleglicher behandeln – zumindest, wenn ich ihnen wichtig bin. Das gilt auch für eich: Lernt eure Bedürfnisse kennen und redet auch darüber!

Erkenntnisse des Tages gibt es viele. Was scheinbar als Katastrophentag oder zumindest als ungeradliniger Tag daher kam, entpuppte sich bei genauerer Betrachtung gar nicht als solcher. Jede „Katastrophe“ führte zu einer schönen, großartigen, positiven Option. Sich dieser positiven Wendungen in einem zunächst als negativ wahrgenommen Moment bewusst zu werden – auch da hat mir das Aufschreiben sehr geholfen. Aus dem Tagesablauf heraus und nur in Gedanken wäre es mir nicht gelungen. Deshalb mein Rat an euch: Schreibt, schreibt über alles, was euch wichtig erscheint, schreibt über euch selbst vor allem – denn ihr sollt euch wichtig sein!

Was vom Tag noch übrig bleibt

Es bleibt eine schmerzende, immer noch verhärtete Wade. Die werde ich voraussichtlich eingeweicht in warmem Thermalwasser kurieren.

Was bleibt noch? Immer noch die Sehnsucht, zu wissen, was meine Lieblingsmenschen machen. Wie es ihnen geht. Ob und wie ich Teil ihrer Gedanken bin.

Diese Woche stehen am Dienstag und Mittwoch zwei Coaching-Termine auf dem Plan, eine Verabredung zum Brunch am Freitag und der Rest der Zeit gehört der Arbeit und der Suche danach.
Übrigens hänge ich aufgrund der technischen Probleme auch mit der Suche nach einem Tagesmotto hinterher. Aber das liefere ich auf jeden Fall noch nach.

Tag 3 – Von der Einsamkeit zum Selbstmitgefühl

Schon Goethe wusste: „Um die Einsamkeit ist’s eine schöne Sache, wenn man mit sich selbst in Frieden lebt und was Bestimmtes zu tun hat.“ Und damit sind wir auch schon bei meinen heutigen Dämonen gelandet. Ich lebe weder selbst mit mir in Frieden, noch habe ich etwas bestimmtes zu tun. Der Samstag hat einfach das gehalten, was ich erwartet und ein wenig befürchtet habe. Es gab viel Zeit für Reflexionen.

Gedenke ich des heutigen Mottos, dann bin ich im Moment kein heilsamer Umgang für mich selbst. Wie kann ich dann aber erwarten, dass ich es für andere sein kann? Nun gut, genug mit der Selbstzerfleischung. Warum? Weil ich endlich Selbstmitgefühl entwickeln muss – sagt Kristin Neff in ihrem gleichnamigen Buch. Und in der Tat gehen wir alle viel zu hart mit uns ins Gericht, „halten die Ohren steif“, wenn ein Sturm durch unser Leben bläst und dabei sind wir diejenigen, die uns selbst am besten schützen können.

Wir sind eine Generation der Selbstoptimierer – erzogen durch die Medien und in dem Glauben, dass wir uns stets und ständig mit anderen vergleichen müssen. In meinem Fall führen die Unzulänglichkeiten im beruflichen Umfeld zu einer Überidentifizierung, einer Übertreibung. „Ich bin wertlos“, „ich bin nicht gut genug“. Dieses Verhaltensmuster, sagt Neff, führt zu einem unglaublichen Maß an emotionalem Schmerz, den man sich selbst zufügt.

Was daraus entsteht, sehe ich an mir selbst. Ich habe das Vertrauen in meine Fähigkeiten verloren, zweifle an meinem Potential, wenn ich mich mit anderen aus meiner Branche vergleiche und verfalle dadurch in tiefe Hoffnungslosigkeit. Neffs Vorschlag und Aufforderung, um sich dieser Spirale in den Abgrund der eigenen Seele zu entziehen: „Aufhören sich fortwährend zu bewerten und selbst zu verurteilen.“ Dafür ist es wichtig, nicht in den Kategorien „gut“ und „schlecht“ zu denken. Als Medienmensch habe ich gelernt, dass es keine guten oder schlechten Nachrichten gibt. Es gibt nur Nachrichten und erst die Interpretation gibt dem ganzen eine Tendenz. So ist es auch mit uns. Und Selbstmitgefühl – die Erkenntnis, dass man als Mensch einfach Stärken und Schwächen hat und diese akzeptiert, hilft hoffentlich dabei.

Nun gut. Noch bin ich auf den ersten Seiten des Buchs. Eine Lösung oder ein passendes Training soll es auch geben, aber das bleibe ich euch heute noch schuldig. Für mich gilt es jetzt, einfach weiter mit mir auszukommen, mich endlich wieder als Mensch zu achten. Und ich wünsche mir, dass auch all die wichtigen Menschen in meinem Leben ebenso sorgsam mit sich umgehen. Haltet nicht einfach die Ohren steif, sondern nehmt euch selbst einmal in den Arm, wenn ihr euch emotional verletzt fühlt.

Für mich war dieser Tag überraschend aufschlussreich – in vielerlei Hinsicht. Ich bin mir ein großes Stück näher gekommen und bewusster geworden. Manchmal ist so ein verregneter Tag offenbar genau das, was es braucht, um in der Einsamkeit zu eigener Größe wieder anzuwachsen. Und schon Schopenhauer wusste, aus Einsamkeit erwächst durchaus Glück und vor allem Gemütsruhe – eine meiner unbestrittenen Stärken, die ich gern wieder in vollem Umfang erleben möchte.

Allein zu sein! Drei Worte, leicht zu sagen,
und doch so schwer, so endlos schwer zu tragen.
Adelbert von Chamisso

Was vom Tag noch übrig bleibt

Morgen habe ich eine Einladung zum Sommerfest der Eltern und Verantwortlichen des Kinder-Musical-Theaters Berlin bekommen. Zwischen 15 und 17 Uhr werde ich also einmal mehr auf Leute treffen, die mit viel Leidenschaft und Engagement das Projekt unterstützen, in dem ihre Kinder eine Art zweite Heimat finden. Darauf freue ich mich.

Ansonsten ist das mit dem Schweigen so eine Sache. Ich habe es durch mein Weblog aufgeweicht – aber eben nur in eine Richtung. Die Ungewissheit, wie meine Lieblingsmenschen und Freunde ihre Tage verbringen, nagt an mir wie ein Holzwurm in einem Stück Eiche. Ich bin gerade nicht Teil ihres Lebens und möchte es doch so gern sein.

Das Motto des Tages habe ich heute morgen beim Grübeln im Bett gefunden, ohne zu wissen, wie dieser Tag wird. Um so mehr freue ich mich, dass das Motto überraschender Weise nun doch die Quintessenz des Tages geworden ist. Mal schauen, ob mein Instinkt mich auch auf den Kern des morgigen Tages führt. Es ist ein großartige Übung und mir scheint, dass das Motto den Tag in eine bestimmte Richtung lenkt. Sofern sich meine Vermutung bestätigt, werde ich auch nach meiner Rückkehr aus dem Exil künftig jedem Tag ein eigene Deutung geben. Damit werde ich wieder zum Herren meiner Tage, ein tolles Gefühl.

Tag 2 – Schreiben ordnet meine Gedanken

Nach dem Plan gilt es nun, Ordnung in meine Gedanken zu bringen. Eine Freundin hat mir geraten, die Dinge einfach aufzuschreiben. Dann sind sie aus dem Kopf und ich kann sie leichter ordnen. Danke dafür Nicola. Also los geht es. Doch bevor wir starten noch ein kurzes Innehalten: Ich hasse eigentlich Selfies. Doch aus einem mir unerfindlichen Grund ist kein schöner Mensch zur Stelle, also bleibt nur der nächst beste. Übrigens ein Selfie mit einem schönen Menschen und mir liebe ich durchaus.

Zu erst einmal ein wenig eigene Streicheleinheiten: Das Weblog war in Hinblick auf mein Schreiben sicher eine meiner hellsten Ideen in letzter Zeit. Und weil ich als Schreiber am liebsten jederzeit meine Gedanken festhalten möchte – was mir zugegebener Maßen nicht zu jeder Tageszeit heute gelungen ist – habe ich mir zunächst wieder die WordPress-App installiert. Ich hatte sie schon einmal auf dem iPhone und habe nie einen Nutzen davon gehabt. Aber heute stand ich in der U-Bahn auf dem Weg vom Potsdamer Platz zum Nollendorfplatz und schrieb wie ein Besessener. Die erste Erkenntnis dieses Tages: Ich kann noch Leidenschaft für mein Tun entwickeln.

Also schreibe ich. Worüber? Zum Beispiel über Dinge, die ich schon nach zwei Tagen hier im Exil vermisse.

Was ich jetzt schon vermisse: das grüne Falkensee, den Lindenbaum, meinen Schreibtisch, die große Dusche, den täglichen Weg zur Kita, das gemeinsame Frühstück mit Lissy, meine Lieblingsmenschen und Freunde (Nachtrag: Schnelles Internet). Der Kontrast zwischen Ludwigsfelde und Falkensee kann kaum größer sein. Hier fühle ich mich eingeengt, dort ist Luft zum Atmen. Ludwigsfelde war nie eine Heimat für mich. Irgendwie habe ich meine Heimat immer mit mir herum getragen. In Falkensee indes hat dieser Samen nun Wurzeln geschlagen. Und dieses Gefühl ist unbeschreiblich schön. Zum Glück muss ich heute nicht allzu lange in der dumpfen Abgeschiedenheit dahin vegetieren. Um 10 Uhr bringt mich die Deutsche Bahn zum Potsdamer Platz und von dort die U-Bahn und meine Füße weiter bis zur Stiftung Warentest.

Zur Preisverleihung für die Sieger des Wettbewerbs „Jugend testet“ sind neben den Preisträgern auch zahlreichen stolze Eltern und die Schirmherrin, die Bundesministerin für Justiz und Verbraucherschutz Katarina Barley, erschienen. Im Rahmenprogramm gibt es noch eine unterhaltsame Zaubershow und im Anschluss ein Buffet. Normaler Weise lasse ich mich da nicht lumpen, aber der nächste Termin sitzt mir schon im Nacken und ich verzichte auf ein warmes Mittag. Eigentlich schade – obwohl ich normaler Weise kein Freund von Buffets bin, hier wäre es nett gewesen. Zumal mein Magen um 13 Uhr schon wie ein schwarzes Loch mich selbst verschlingen möchte. Egal und Wurst.

 

Auf zum nächsten Termin. Der führt mich zu den Hallen im Borsigturm. Eine Weltreise mit der U-Bahn. Einmal umsteigen von der U2 in die U6 und weiter geht es. Unter anderen Umständen wäre ich wohl nie zu diesem Einkaufstempel gereist, aber ich finde, er ist durchaus ein Kandidat für gemeinsames Shoppen und könnte mit auf die Liste kommen. In dieser illustren Liste finden sich all die Ideen wieder, die man gemeinsam unbedingt erleben muss.

Im Cafe treffe ich Volkmar Neumann. Er ist mein Auftraggeber und Chef des Kinder-Musical-Theaters Berlin. Eigentlich treffen wir uns heute vor allem wegen meines Vertrages. Ich soll bis Ende des Jahres ein Feuerwerk in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit abfackeln. Doch Volkmar erzählt mir erst einmal aus seinem Leben. Irgendwie passiert mir das gerade in der letzten Zeit oft, dass Menschen sich mir öffnen – ganz ohne mein Zutun. Für mich ist es immer wieder schön, das zu erleben und ich habe mich mittlerweile zu einem guten Zuhörer gemausert – eines meiner Ziele.

Volkmar und ich entdecken, dass wir beide Kinder der DDR sind. Na gut, er ist als Pimpf von einer Diktatur in die nächste geschlittert. Aber immerhin. Er erzählt mir von seinen Großeltern in Schlesien, bei denen er während der Bombenangriffe auf Berlin untergebracht war. Er erzählt von seinen Erlebnissen in der eingeschlossenen Reichshauptstadt, als die Russen auf die Reichskanzlei vordringen. Und dann ist der Krieg zu Ende und es beginnt seine Laufbahn als Regieassistent, Schauspieler, Intendant und Regisseur  – zuletzt am Friedrichstadt Palast. Er zeichnet ein sehr bewegtes Leben und selbst jetzt mit 84 Jahren spüre ich die Leidenschaft für seinen Beruf. Genau dieses Feuer möchte ich auch wieder haben, überzeugt sein von den Dingen, die ich tue. Und zumindest für dieses Projekt bin ich es nach dem Gespräch mit Volkmar.

Das Gespräch dauert länger, als wir beide es geplant hatten. Aber keiner von uns bedauert die Überziehung. Mit viel Vorfreude auf dieses Projekt sehe ich eine lohnende Aufgabe, die mich auf jeden Fall erst einmal bis Ende des Jahres begleiten wird.

Kurz ein Blick auf meinen Plan. Die Zeiten für die Reflexion sind hinfällig. Ich komme in meine Matratzengruft zurück und bin schon beim Eintreten wieder unzufrieden und unruhig. Eigentlich will ich hier nicht sein. Vor dem Wochenende graut es mir. So auf sich selbst zurück geworfen, erscheint freie Zeit vergeudet. Womöglich steckt genau da die Stecknadel im Sacko – mit mir eine längere Zeit allein zu sein, bereitet mir Unbehagen. Ich will Menschen um mich, Menschen mit denen ich Erlebnisse teile – egal wie klein oder groß. Ausflüge erscheinen mir nur dann schön, wenn ich diese Momente teilen kann.

Meine Unruhe wächst. Den Nachmittag und Abend vor dem Fernseher zu verbringen – es gab Zeiten, da hatte ich Freude daran. Jetzt bin ich mit diesem Leben unzufrieden. Ich habe schon lange nicht mehr ohne eine Idee für einen Nachmittag oder gar ein ganzes Wochenende gelebt. Ich frage mich, was mein Lieblingsmensch gerade tut. Dadurch wird die Unruhe gänzlich unerträglich. Ich greife auf meinen Plan zurück, schmeiße mich in meine Sportsachen, schnappe mir mein Fahrrad und fahre einfach los. Wohin? Es zieht mich nach Potsdam – zu dem Ort, an den wundervolle Erinnerungen geknüpft sind. Also los.

Es beginnt zu regnen, der Wind bläst und ich trete verbissen in die Pedale. Wohin soll es in Potsdam gehen? Zum Louisenplatz – einer frischen Spur folgend. Der Platz ist beinahe in der Mitte Potsdams gelegen, dazwischen jede Menge asphaltierte Straßen und Wege. In mir sind Zweifel, ob ich es schaffe. Naja, dann drehe ich einfach um und gebe auf. Natürlich nicht! Mit jedem zurückgelegten Kilometer fällt der Druck von mir ab, die Sonne kommt heraus und es bedarf nur noch eines Regenbogens als Zeichen und ich würde meinen Weg kennen, geht es mir durch den Kopf. Ich radle die rund 22 Kilometer entlang der Landstraße, dann durch Potsdam bis in das Herz der Stadt, an dem auch meines wild schlägt.

Ich schnaufe durch, schwelge gerade an diesem Punkt in wundervollen Erinnerungen. Erinnerungen, die ich gern in die Zukunft erweitern möchte. Also noch ein Punkt für meine Liste. An dieser Stelle ein Memo für mich: Lass dir mal wieder die Haare schneiden!

Nach kurzer Rast geht es zurück. Damit habe ich gleichzeitig meinen Wunsch nach einer zweiten Kardioeinheit erfüllt. In meinem Exil angekommen, merke ich zwei Dinge: meine schmerzenden Beine und eine euphorische Grundstimmung, wie ich sie hier seit meiner Ankunft nicht hatte. Ich rede über alle möglichen Dinge, interessiere mich für den Igel im Garten und freue mich über meine Umwelt. Es ist das erste Mal, dass ich mich hier entspannen kann. Und endlich erscheint mir auch eine Vision für meine Zukunft.

Was vom Tag noch übrig bleibt

Noch immer schaue ich regelmäßig auf mein iPhone. Heute wird mir zum ersten Mal bewusst, dass viele der mir nahen Menschen gar keine Social Networks nutzen. Um so mehr freue ich mich, wenn sie über dieses Weblog an meiner Seite gedanklich gehen können. Irgendwie halte ich das Schweigen nicht aus. Ich frage mich immerzu, was in meiner Welt passiert. Wie sieht dort das Wochenende aus. Ich kämpfe mit mir, das Schweigen zumindest noch eine Weile zu erhalten. Aber in mir lebt die große Angst, dass die Welt, die ich verlassen habe, sich verändert haben wird.

Das euphorische Gefühl nach dem Sport hat zumindest dazu geführt, dass ich kurzerhand beschlossen habe, morgen Vormittag in Potsdam mal wieder mit viel Zeit durch die Bücherfundgrube zu stöbern. Ein Plan, den ich eigentlich lieber in Begleitung umgesetzt hätte. Aber so sei es. Wenn meine Welt wartet, dann ist das ein neuer Punkt auf meiner Liste. Ich habe keine Zweifel mehr, dass ich diese Liste umsetzen kann. Nach dem ich gegen jeden Zweifel am Erreichen des Louisenplatzes gekämpft habe und angekommen bin, fühle ich mich jeder Herausforderung gewachsen. Manchmal ist es so einfach: Setze dir ein Ziel, verfolge es gegen jeden Widerstand, den du in dir hast, und du wirst glücklicher zurückkehren von deinem Weg, als du aufgebrochen bist.

 

 

Tag 1 – Ein Plan muss her!

In den Tag hineinleben fühlt sich jetzt schon schlecht an. Dabei habe ich noch nicht einmal mit dem Leben angefangen. Die Welt hier wirkt so klein, ich fühle mich wie eingesperrt darin. Ich sehne mich nach Menschen – vor allem die mir wichtig sind. Und nach einem ganz besonders.

Mit meinem Schreibprogramm Ulysses, dem iCal-Kalender, SubEtha Edit und Evernote habe ich meinen Plan nun gestrickt. An dieser Stelle nur eine kurze Empfehlung: Falls ihr ablenkungsfrei schreiben wollt, ist Ulysses meine klare Empfehlung für euch. Falls ihr Fragen dazu habt, schreibt mir einfach in den Kommentaren.

Der erste Punkt auf meiner Liste: Ein Weblog. Es soll gleichermaßen meine Gedanken, Gefühle und Ideen konservieren, als auch meine Leser mit auf die Reise zu meinem Kern mitnehmen. Es ist ebenso mein Tagebuch – als Social animal und Digital-Maniac passt es zu mir, auch wenn ich sonst Zettel und Stift durchaus mag. Gleichzeitig dient mir mein Weblog als Platz für meine Schreiblust – endlich einmal befreit von stilistischen Zwängen einfach über die Dinge aus meinem zerebralen Innersten berichten, genau dazu habe ich hier Raum. Und das Weblog ist ein Versprechen, dass ich einem Lieblingsmenschen gegeben habe.
Die erste Erkenntnis, die mir durch das Weblog dämmert: Es bedarf nicht immer eines Konzepts. Manchmal reicht es auch einfach, etwas zu machen – in die Tat umzusetzen und zu starten. Voilà!

Nun aber zu meinem Plan. Der soll mir einen festen Rahmen, einen stetigen Rhythmus geben – damit ich eben nicht in den Tag hineinlebe. Und das sind meine Überlegungen dazu.

Mein Plan
20.6. bis 6.7.

1.Tag – Plan entwerfen
festen Rhythmus entwerfen

+ Sport – abends
+ am Abend Übersicht der Aufgaben nächster Tag erstellen
+ Schreiben – wann ist der beste Zeitpunkt dafür?
+ Weblog führen – Tagebuch
+ Coaching
+ Treffen
+ Job-Suche, Bewerbungen
+ Lehrer
+ Reflexionszeiten einrichten – Ziele, Wünsche etc. Wie geht es mir?
+ Strichliste – „Gedanken an“ führen
+ Plan für die nächsten Wochen und Monate erstellen – Job und Privat

Aus diesen Überlegungen habe ich dann einen wiederkehrenden Tagesablauf gestrickt. Der ist nicht in Stein gemeißelt, da misstraue ich mir und dem Leben schon lange. Immerhin ist das Leben das, was passiert, während man Pläne macht. Aber der Tagesablauf soll mir die Struktur geben, die bislang durch einen meiner Lieblingsmenschen bestimmt war.

Der Rhythmus

Start in den Tag 6 Uhr – schreiben bis 7 Uhr, Motto des Tages entwerfen
Frühstück
ab 9 Uhr Termine, Treffen, Bewerbungen bis 15 Uhr
Mittagspause 1230
1. Reflexionspause 13 bis 1330
2. Reflexionspause 18 bis 1830
Abendbrot 1730
zw. 16 und 20 Uhr freie Zeit – eventuell schreiben, reden, Ausflug etc. Weblog füttern
21 Uhr Liste nächster Tag erstellen
Montag 20 Uhr auf jeden Fall Laufen – eventuell zweiter Tag für Ausdauer
Abends immer Fitness-Programm

Punkt eins: Das Motto des Tages. Es ist die Idee, jedem Tag eine Quintessenz zu geben. Das kann ein Ziel, ein Wunsch oder einfach pure Motivation sein. Das Motto setze ich in Form einer Grafik um. Schwupps ein Template per Photoshop erstellt und schon kann es los gehen. Aufgrund der selbstauferlegten Kontaktsperre mit all den wichtigen Menschen aus meinem Leben, nutze ich das Motto gleichermaßen unter anderem als mein WhatsApp-Profilbild. Ansonsten hoffe ich auch, dass mein Weblog diesen Menschen ein wenig Nähe zu mir gibt.

Punkt zwei: Die Reflexionspausen sind ein Mitbringsel aus meinem Studienjahr in St. Gallen. Sie sollen mir dabei helfen, mal wieder auf mich selbst zu hören. Sie sollen mir Antworten auf die wichtigsten Fragen geben: Was will ich? Wie geht es mir? Wie sieht mein Weg aus? Vor allem die zweite Refelexionspause soll mir als Retrospektive des Tages dienen. Wie ich die Pausen gestalte, weiß ich jetzt noch nicht so recht. Meditativ oder dahin dösend – das wird sich finden. Sobald ich einen gangbaren Weg gefunden habe, lasse ich euch daran teil haben.

Punkt drei: Sport. Seit März verfolge ich bereits eine selbst auferlegte Herausforderung: 100 Liegestütze am Tag. Es gibt nur eine Regel – danke dafür an Mark Maslow von Marathonfitness: Das Programm darf nie an zwei aufeinander folgenden Tagen ausfallen. Falls ihr es auch versuchen wollt, kommt hier mein Weg für euch. Zu Beginn habe ich mir einfach die Liegestütze aufgeteilt: Ein Teil morgens, ein Teil abends. Dabei spielt es keine Rolle, ob ihr 40/60 oder 50/50 bevorzugt. Schaut, wie ihr euch einfach kontinuierlich verbessern könnt. Mittlerweile erledige ich die 100 Liegestütze am Stück. Nach den ersten anderthalb Monaten habe ich dann zusätzlich noch Situps dazu genommen und schwinge mittlerweile auch noch ein paar Sätze Hanteln. Alles in allem habe ich mich so kurz vor meinem 40. Geburtstag noch nie fitter gefühlt. Mit dem regelmäßigen Laufen jeweils Montags habe ich es endlich geschafft, Sport zu einem festen Bestandteil in meinem Leben zu machen.

Nun gilt es, das Konstrukt mit Leben zu füttern. Gedanklich habe ich heute immer in einer melancholischen und sehnsuchtsvollen Schwebe verbracht. Gefühlt habe ich alle fünf Minuten auf mein iPhone gestarrt und gehofft, einfach nur in WhatsApp im Status meiner Lieblingsmenschen das Wort „Online“ erscheinen zu sehen. Aber sie sind eisern bei der von mir mehr leichtfertig als valide ausgesprochenen Kontaktsperre geblieben. Mit dem Plan hoffe ich nun, meine Gedanken in die Richtung zu lenken, in die sie sollen: auf mich selbst.

Dennoch fällt es mir unsäglich schwer. Es ist eine Art kommunikativer Detox, den ich ein wenig durch mein Weblog aufweiche – aber das ist ja schließlich notwendig, um meiner Schreiblust wieder Nahrung zu geben.

Meine Liste für morgen:

Bei der Stiftung Warentest bin ich zur Preisverleihung eingeladen. Immerhin habe ich die gesamte Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für den Wettbewerb erledigt und in der ersten Auswahlrunde die Teilnehmer gesiebt.

Danach treffe ich mich mit Volkmar von Kinder-Musical-Theater Berlin. Für den Verein verantworte ich aktuell ebenfalls die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

Nach meiner Rückkehr stehen noch die Anerkennung meiner Zeugnisse, ein Anruf bei meiner Agentur und diverse Emails für Bildungseinrichtungen auf dem Plan. Und wenn dann noch Zeit und Wetter mitspielen, will ich mich auf mein Rad schwingen und die alten Routen rund um Lu abreiten. Hinter letzterem Punkt steckt die Idee, dass ich viele von den Dingen noch einmal tue und auch mit Menschen spreche, die vor der Verwerfung mein Leben bestimmt haben. Es ist eine Rückkehr zu meinen Wurzeln und damit zurück zu einem Stück von mir selbst.